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Gesundheit & Medizin | 19.04.2021

Tuberkulose – auch in Deutschland noch immer aktuell

Tuberkulose, auch Tb, Tbc oder Schwindsucht genannt, ist in Deutschland eine relativ seltene, meldepflichtige Erkrankung – 2019 verzeichnete das Robert-Koch-Institut knapp 4.800 Fälle. Tb ist zwar ansteckend, aber das ist kein Grund zu Beunruhigung - es besteht kein unkontrollierbares Infektionsrisiko und noch weniger ein selbstverschuldetes Schicksal.

Tb kann jedoch anfangs unbemerkt ausbrechen. Langsam und schleichend nimmt die Erkrankung Kraft und Widerstandsfähigkeit. Gerade in Deutschland, in unserer leistungsorientierten Gesellschaft, geraten Erkrankte dadurch an den Rand der Gesellschaft. In der aktuellen Pandemie ist Corona in aller Munde. Angesichts von Infektionserkrankungen sind manche Menschen von Ängsten, Unsicherheit und unbesonnenen Vorstellungen getrieben.

Gerade weil Tb in den Medien nicht so präsent ist, möchte ich als Pneumologe auf diese Erkrankung aufmerksam machen. Nicht nur ältere Menschen sind gefährdet, sondern auch jüngere mit eingeschränkter Immunabwehr. Aufgrund meiner Erfahrung sind Appetitlosigkeit, langsamer Gewichtsverlust und nicht selten zunehmende Depression klassische Zeichen einer „Schwindsucht". Unspezifische Infektzeichen, Schweißneigung, leicht erhöhte Temperaturen und Abgeschlagenheit treten ebenfalls auf. Bei einer unserer Patientinnen führte das zunächst zur Diagnose eines verschleppt verlaufenden Virusinfekts. Aufgrund anderer Parameter stand sogar der Verdacht auf ein Krebsleiden, am ehesten Lymphdrüsenkrebs, im Raum. Bei einer anderen Patientin, einer vor Jahren aus Afghanistan eingereisten jungen Mutter war tatsächlich eine Lungenentzündung mit multiresistenten Staphylokokken zur Tuberkulose hinzugekommen. Die dritte Patientin aus dieser Gruppe hatte zusätzlich Schmerzen im Brustkorb. Im Röntgenbild sahen wir einen Erguss auf der Lunge und die chirurgische Eröffnung des Brustkorbs bestätigte eine Tuberkulose des Lungenfells.

Alle Patientinnen hielten sich jahrelang ausschließlich in Deutschland auf und hatten keine nachweisbaren Kontakte zu anderen Tbc-Erkrankten. Im Umfeld mussten sich einige Kontaktpersonen einer Chemoprävention bzw. -prophylaxe bei latenter Tuberkulose unterziehen. Alle Betroffenen, insbesondere die Kinder, haben die Medikamente gut toleriert und sind nicht an offener Tuberkulose erkrankt. Im Allgemeinen ist das Infektionsrisiko für Kinder größer, die Verträglichkeit der Medikamente jedoch ebenfalls. Die einhellige Expertenmeinung empfiehlt eine Behandlung als sogenannte antituberkulöse Vierfachtherapie. Sie muss über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten, oft sogar über acht bis zu zwölf Monate erfolgen. Ansteckungsfähige Patienten werden isoliert. Die gute Nachricht: Dies kann auch in Heimisolation gelingen, die Behandlung in der Klinik ist nur noch für kurze Zeit erforderlich. Alle an Tuberkulose erkrankten Patienten, die ich in meiner Laufbahn als Mediziner bisher erlebt habe, sind komplett genesen.

Aufnahme der Lungen vor Aufnahme der Therapie Aufnahme der Lunge während der Therapie
(zwei Monate nach Therapiebeginn)

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Autor

Dr. med.
Dietmar W. Geiger

Chefarzt
Innere Medizin – Pneumologie und Beatmungsmedizin

 

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